Getagged: Sitzpositionoptimierung

Endlich fertig

Das neue Fahrrad ist endlich fertig. Nach einigen Tagen des Schraubens waren alle Komponenten da, wo sie hingehören und ich bin hin und weg von meinem neuen Stahlross. Genau so habe ich es mir vorgestellt. Es ist ein tolles Gefühl, es in Blut und Fleisch…hm…eher in Stahl und Carbon vor mir  stehen zu sehen.

Ich musste erst einem grippalen Infekt Widerstand leisten  – das Rad hat es derweil geschafft, bei einem Foto-Shooting für ein Fahrradmagazin Modell zu stehen, und mit seinem Macher Robert von Big Forest Frameworks auf die Berliner Fahrradschau zu gehen. Bevor es dann auf die Straße gehen konnte, waren wir noch bei Thomas von Bike Academy Berlin, um uns aufeinander einstimmen zu lassen. Der schone De Rosa Sattel musste leider einem anderen Kollegen weichen. Dafür konnte ich aber mit Hilfe von Thomas eine gute Position auf dem Rad finden.

Nach so vielen Terminen und krankheitsbedingten Verzögerungen wolle ich eigentlich nur noch eins: aufs Rad steigen und fahren. Die 100-km Kennenlerntour am Wochenende hat mir viel Spaß gemacht. Mein Fazit: das Rad fährt sich sehr gut, die Sitzposition stimmt jetzt auch und ich bin nicht nur vom Aussehen, sondern auch vom Fahrgefühl begeistert. Die Abkürzung von Big Forest Frameworks (BFF) kann ich für mein Rad und mich jetzt anders deuten: best friends forever 😉

Bike Fitting an Halloween

Am vergangenen Halloween habe ich keine Horrorfilme geschaut und ein Gruselclown ist mir auch nicht über den Weg gelaufen, gegruselt habe ich mich aber trotzdem. Aber immer der Reihe nach: Schon vor einigen Jahren war ich bei Thomas in der Bike Academy Berlin, um mein Rennrad für mich optimal einstellen zu lassen. Zum Start der Cyclocross-Saison war es nun an der Zeit, auch mein neu dazugekommenes CX-Rad im Rahmen eines Bike-Fittings unter die Lupe zu nehmen. Ich musste feststellen, dass seit meinem letzten Besuch bei Thomas vieles passiert war. Zu einer videogestützten Analyse der Sitzposition ist eine Druckmessung am Sattel und im Innenschuh dazugekommen. Diese erlaubt es, einen passenden Sattel zu finden, die Sitzposition zu optimieren und eine bessere Kraftübertragung durch Anpassen der Cleateinstellung zu erreichen.

Die Vorgehensweise beim BikeFitting war mir schon bekannt. Auf die Druckmessung war ich im Vorfeld aber besonders gespannt. In meiner Vorstellung saß ich auf dem Rad in einem Spinnennetz von Kabeln. In Wirklichkeit sieht das Equipment nach einem einfachen Sattelüberzug und dünnen Schuheinlagen aus und überträgt die aufgezeichneten Daten völlig kabellos.

Nachdem die Einlagen zur Messung der Druckverhältnisse unkompliziert ihren Weg in meiner Schuhe gefunden haben, durfte ich einige Minuten in die Pedale treten. Bei der anschließenden Auswertung fing für mich das Gruseln an. Deutlich war auf den Bildern zu erkennen, dass ich hauptsächlich über die große Zehe die Kraft auf die Pedale bringe. Wie schräg und gleichzeitig komisch ist da denn? In meinem Kopf schwirrten  Erinnerungensfetzen an all die kurzen und langen, schnellen und langsamen Touren, die ich in den Schuhen gemacht habe. Habe ich etwa ein Jahr lang nur mit dem großen Zeh zu Arbeit pedaliert? Nach einer Anpassung der Cleateinstellung (die natürlich völlig falsch war) und einer erneuten Messung gab mir Thomas die Entwarnung: wenn die Cleats richtig eingestellt sind, kann auch ich den Druck auf die Pedale über den Fußballen bringen.

Die Satteldruckmessung funktionierte nach gleichem Prinzip. Die Folie zeichnet die Druckbereiche und -intensität auf und überträgt die Daten zum Visualisieren und Analysieren. Die Druckmessung wurde in allen drei Positionen – Oberlenker, an den Bremsgriffen und im Unterlenker vorgenommen. Hier erwartete mich glücklicherweise keine Hiobsbotschaft. Ganz optimal ist mein aktueller Sattel nicht, ist aber auch nichts Dramatisches.

Mit einem gut eingestellten Rad und Cleats, einem Testsattel und guten Hinweisen zu richtigen Cleateinstellung hat der Thomas mich in dem Halloweenabend entlassen. Das war mal wieder ein erkenntnisreicher Besuch bei Bike Academy Berlin, bei dem es für mich sowohl Süßes als auch Saures gab.

B wie…Bike Fitting

Das Problem ist vielen Radfahrern, die etwas mehr Zeit im Sattel verbringen, wahrscheinlich sehr gut bekannt: nach einer Weile auf dem Rad fangen die Füße oder Hände an einzuschlafen, die Nackenmuskulatur verspannt sich und die Knie fangen an zu schmerzen…Man kann keinen Druck mehr auf die Pedale bringen. Die schönen Aussichten von der Gegend, die beim Fahren an einem vorbeigleiten,  kann man auch nicht mehr genießen und man kann es kaum erwarten vom Rad abzusteigen. Das muss aber nicht sein. Die Lösung für das Problem ist Bike Fitting. Als „Bike Fitting“ bezeichnet man einen Prozess der Optimierung der Sitzposition nach individuellem Maß des Fahrers oder der Fahrerin.

Da mein Rennrad ein absoluter Spontankauf war und ich mir im Vorfeld überhaupt keine Gedanken zur passenden Rahmengeometrie und Rahmengröße gemacht habe, hat sich relativ schnell herausgestellt, dass irgendetwas nicht richtig ist und nicht passt, da ich nach mehreren Stunden auf dem Rad mit schmerzenden Knien und taub werdenden Füßen zu tun hatte…Glücklicherweise ergab sich für mich eine Möglichkeit ein Bike Fitting mit Thomas Pollesche von der Bike Academy zu machen. Darüber, wie das durchgeführt wird und was das tatsächlich bringt, möchte ich an dieser Stelle ausführlich berichten.

1. Anamnese:
Ein wenig erinnert es mich an einen Besuch beim Paar-Therapeuten. Man erscheint mit dem Rad und der Spezialist versucht in Erfahrung zu bringen was dem effektiven und schmerzfreien Rad-Mensch-Zusammenspiel hinderlich ist. Wie bei einem Therapeuten findet  zuerst ein eingehendes Gespräch statt, in dem geklärt wird, wie häufig man fährt, in welchen Umfängen trainiert wird, wie leistungsorientiert man ist, wann und welche Beschwerden beim Fahren auftreten. Auch die Vorgeschichte in Bezug auf orthopädische Fehlstellungen der Füße und Beine wird unter die Lupe genommen.

2. Vermessung:
In einem zweiten Schritt wird man auf die allgemeine Beweglichkeit hin untersucht und aufs Genaueste vermessen: Schrittlänge (relevant für die Rahmenhöhe), Armlänge (relevant für den Abstand zwischen Sattel und Lenker), usw. Auch die individuellen körperlichen Gegebenheiten, wie z.B. unterschiedlich lange  Füße, Fußrotation nach innen/außen bei der Kippung des Oberkörpers nach vorn werden in Erfahrung gebracht. Diese werden später beim Vornehmen der Einstellungen am Rad und an den Radschuhen berücksichtigt. Dann geht es auch dem Rad an den Kragen. Das Rad wird in eine Radrolle eingespannt und ebenfalls vermessen: Rahmengröße, eingestellte Sitzhöhe, Überhöhung zwischen Sattel und Lenker, Oberrohlänge, usw.

3. Inspektion der Radschuhe:
Auch die mitgebrachten Radschuhe werden untersucht, um auszuschließen, dass mögliche Beschwerden im Fuß- und Kniebereich durch unpassende Radschuhe oder falsch eingestellte cleats verursacht werden. In meinem Fall war eine falsche Einstellung der cleats maßgeblich für den Belastungsschmerz im linken Knie verantwortlich.

4. Einstellungen:
Im letzten Teil wird mittels einer Videoanalyse mit einem speziellen Programm versucht die Harmonie zwischen Mensch und Maschine herzustellen. Nachdem man auf das Fahrrad steigt, werden beim Fahren auf der Rolle Video- und Stand-Aufnahmen gemacht. Mit diesen Aufnahmen wird die aktuelle Sitzposition genau ausgewertet und vermessen: die Winkel zwischen dem Unter-und Oberarm, zwischen Oberkörper und Oberschenkel, zwischen Ober- und Unterschenkel und zwischen Unterschenkel und Fuß.  Es werden dann vor Ort die notwendigen Anpassungen am Rad vorgenommen, z.B. das Verstellen der Sitzhöhe. Es werden erneut Aufnahmen von der neuen Sitzposition gemacht und anschließend ausgewertet. Die Anpassung geht dann so Schritt für Schritt weiter, bis eine optimale Sitzposition erreicht wird.

Bei mir hat sich herausgestellt, dass der Rahmen meines Rennrads für mich viel zu klein ist und ich sehr niedrig und gestaucht auf dem Rad saß. Ich habe dann von Thomas genaue Angaben und ein Protokoll der erforderlichen Sitzposition erhalten und musste erstmal eine neue Sattelstütze und einen neuen Vorbau kaufen. Eine längere Sattelstütze mit einem Versatz nach hinten und ein längerer Vorbau konnten den Rahmen soweit „auseinander ziehen“, dass die von Thomas angegebenen Maße meiner idealen Sitzposition erreicht werden konnten. Nach mehreren Trainingskilometern im Sattel bin ich sehr zufrieden gewesen. Die Kraftübertragung ist wesentlich besser und ich sitze deutlich gestreckter, was ich auch in der Unterlenker-Position als angenehm empfinde. Was am wichtigsten ist: von tauben Füßen und schmerzenden Knien ist nichts mehr zu merken!