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Debüt bei Rad-Bundesliga in Karbach

Manche Angebote kann man einfach nicht ausschlagen. So habe ich mit vor Aufregung (oder doch Angst?) zitternder Stimme die Teilnahme an meinem allerersten Rad-Bundesliga Rennen im Rahmen der 31. Main-Spessart Rundfahrt in Karbach zugesagt. Und das war ein wirklich tolles Renn-Abenteuer mit meinem neu gegründeten Frauen-Bundesliga-Team aus Berlin. An den Vortagen und auf der langen Fahrt nach Karbach kreisten die Gedanken nur um das bevorstehende Rennen. Tausend Fragen um das Material, Ablauf, Verpflegung und Beschaffenheit des Rundkurses schwirrten in meinem Kopf wie die lästigen Fruchtfliegen. Die obligatorische Runden-Besichtigung am Vorabend sollte die plagende Ungewissheit vertreiben. Ankommen, rauf aufs Rad und durchatmen. Und schon hundert Meter nach der Startlinie wusste ich, dass dieser Rundkurs gespickt mit Anstiegen mit Steigungen im zweistelligen Prozentbereich und schwierigem Straßenbelag recht anspruchsvoll für meine Flachlandbeine sein wird. Die schlimme „Betonpiste“ nach Urspringen, der Anstieg zwischen Urspringen und die darauf folgende rasante Abfahrt, würden dieses Rennen zu einer Härteprobe machen.

Am Renntag selbst wichen die Sorgen über das bevorstehende Rennen dem großen Staunen. Wahre Größen des deutschen Frauenradsports und die besten Frauenradteams standen Schulter an Schulter mit mir am Start. Ungewohnt viele Zuschauer im Start/Ziel-Bereich und an der Strecke heizten die Stimmung an. Großer Trubel vor dem Start samt Einschreiben von Teams und Betreuern, die uns jeden Wunsch von den Lippen ablasen und uns wiederholt fragten, ob wir noch Gels, Wasser oder sonst was brauchen würden.

Es kam mir zeitweilen so vor als, ob ich mitten in einer Radsportübertragung gelandet wäre, die ich mir bei Eurosport so gern ansehe. Noch ein paar Augenblicke und dann darf ich auch so wie die ganz Großen Rennen fahren. Und im Gedächtnis flatterten schon unaufhörlich Bilder der großen Radsportmomente: Attacken am Berg, knappe Sprintentscheidungen und Zieldurchfahrt mit hochgerissenen Armen.

Bei meinem Bundesliga-Einstand durfte ich aber zuerst ausgiebig üben dem Feld mitten in der Begleitfahrzeugkolonne hinterher zu jagen, Windschatten zu suchen und vom Fahrzeug zum Fahrzeug mich mühsam nach vorne vorarbeiten. Stimmt, das gibt es im großen Radsport auch. Für Rennfahrer/innen eine echt ärgerliche Situation, für mich eine wichtige Rennerfahrung. Und es gab in diesem Rennen so viele wichtige Erkenntnisse für mein Rennkonto, dass ich mit meinem durchaus bescheidenen Ergebnis echt zufrieden war.  Ich habe das harte Rennen mit ungewohnt vielen Höhenmetern durchgezogen und habe viel an Rennerfahrung dazu gewonnen. Ich bin nicht die letzte geworden. Ich bin in den Abfahrten mehrmals über meinen eigenen Schatten gesprungen und hatte ein tolles Rennwochenende mit echt lieben Menschen aus meinem Team verbracht. Was will ein Rennfahrerinnenherz mehr? Es will nun weitermachen!

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Velothon als Shop4Cross Girl

Der 9. Berliner Velothon ist nun Geschichte. Die schönen Erinnerungen und einige nette Bekanntschaften bleiben aber. Kurzfristig sprang ich für eine leider verunfallte Fahrerin im Shop4Cross Girls Team ein und ging beim Velothon an den Start der 120 km Strecke. Das „Shop4Cross Girls“ Frauenrennprojekt hat Karsten Niemann, ehemaliger Radprofi und Inhaber von Shop4Cross, ins Leben gerufen und organisiert, um Frauen beim Einstieg in den Radsport zu unterstützen. Fleißig haben die Fahrerinnen Wochen und Monate für das große Rennen trainiert. Denn für einige von Ihnen sollte die 120 Strecke beim Velothon die längste gefahrene Distanz und das erste Rennen überhaupt werden.

Nach der geselligen Runde mit Sponsoren und Teamfahrerinnen beim Pizza und Pasta essen, standen wir am nächsten Tag freudig, aufgeregt und erwartungsvoll in unserem strahlenden türkis-lila Rennkit im Block F. Noch einige Augenblicke rätseln, ob wir als Gruppe zusammenbleiben können oder nicht, wie man die berüchtigte Stürze vermeiden kann und wie man die Kräfte am besten einteilt, und dann ging es schon los.

Mir war relativ klar, dass ich den größten Teil des Rennens alleine fahren werde, da es schwierig werden würde in so einem großen Feld zusammen zu bleiben. Schon nach der zweiten Kurve am Potsdamer Platz musste ich etwas Gas geben, um den Kontakt zu einer schnellen Gruppe nicht zu verlieren. Leider enteilte ich dabei auch meinen Teamkolleginnen. So bin ich auf der Überholspur von Gruppe zu Gruppe gesprungen auf der Suche nach einem schnellen Hinterrad. Nach der Havelchaussee fand sich eine homogene Gruppe von ca. zehn Fahrern zusammen, mit der ich das Rennen zu Ende fahren konnte. Eine schöne Überraschung war, dass meine Teamkollegin Sandra ungefähr zehn Kilometer vor Schluss zu mir nach vorne aufschließen konnte. Was habe ich mich gefreut auf den letzten harten Metern des Rennens eine Leidensgenossin bei mir zu haben!

Völlig euphorisch und berauscht von dem flotten Rennen warteten Sandra und ich im Ziel auf unserer Mitstreiterinnen. Was für eine gelungene Veranstaltung! Alle sind flott und sturzfrei ins Ziel gekommen und dabei konnten wir noch die Mannschaftswertung der Frauen für uns entscheiden!

Besonderer Dank an all denjenigen, die es ermöglicht haben: Shop4Cross, Wist-Der Literaturladen, DEBEX, Bar Fritz‘n, Miller&Parthum brand agency, Mohrmann Bauunternehmen, RhönENERGIE Fulda, HofFrisuer, Dr. Benthien Sportpsychologische Beratung

Velothon Ergebnisse, 120 km, Frauen

Mein Strava gps-track

Rund um Buckow oder alle guten Dinge sind zwei

Nachdem ich im Vorjahr das „Rund um Buckow“-Rennen wegen eines unverschuldeten Sturzes mit abgeschrammten Beinen und einer Minusrunde im Gepäck beenden musste (nachlesen), habe ich dieses Jahr auf eine Revanche gehofft. Bei sonnigem aber ziemlich windigem Wetter standen mein Team-Kollege Christian und ich am Start des welligen Rennkurses, den es sechs Mal zu absolvieren galt. Schon im ersten Anstieg habe ich den Kontakt zum Hauptfeld leider verloren und mussten die Zähnen zusammenbeißen, um das aufgegangene Loch wieder zu zufahren. Die Verschnaufpause im Feld war leider nur von kurzer Dauer, da die nächste Windkante und eine Tempoverschärfung mich wieder rasch aus dem Feld beförderten. So ließ ich mich in eine kleine Gruppe hinter dem Hauptfeld zurückfallen und konnte in dieser die verbleibenden fünf Runden zu Ende fahren.

(Fotos by: prinzmediaconcept.de)
Das, was ich mir vor dem Rennen in das Aufgabenheft geschrieben habe, konnte ich gut umsetzen. Die offene Rechnung, die ich mit Buckow hatte, konnte mit einer versöhnlichen Zeit beglichen werden: zweiter Start, zweiter Versuch und zweiter Platz. Alle guten Dinge sind in diesem Fall anscheinend zwei. Mit nagelneuen Bräunungsstreifen an den Beinen und dem Gefühl der inneren Zufriedenheit werde ich in den kommenden Tagen mein Training bestreiten und dem nächsten Rennen entgegen fiebern.

Ergebnisse

Tapetenwechsel beim 13. Radfest „Rund um Buckow“

Nachdem ich beim Garmin Velothon am 31. Mai 2015 solide und ohne heikle Situationen aus dem letzten Block G auf Platz 16 (6 AK) der 60 km-Strecke fahren konnte, habe ich beim 13. Radfest „Rund um Buckow“ im Rahmen des MOL Cycling Cups eine andere Rennerfahrung machen dürfen.

Die ersten vier Runden des 78 km langen Rundkurses mit mehreren Anstiegen in Serpentinen und einer Kopfsteinpflaster-Passage konnte ich gut in einem der Felder fahren. Die Stimmung in der Gruppe war nervös und die Fahrweise etwas hektisch und zaghaft mit vielen kleineren Attacken und Tempoverschärfungen, bei denen ich glücklicherweise mitgehen konnte, um den Anschluss an die Gruppe nicht zu verlieren.

(Foto by: turus.net/frontalvision.com)

Zwei Runden vor Schluss habe ich mich mit Blick auf den bis dahin gefahrenen Schnitt bereits gefreut, dass die Beine noch Körner haben und dass ich dieses durchaus anspruchsvolle Rennen in einem zügigen Tempo und in der Gruppe absolvieren würde. Aber dann ist es passiert: Die Vordermänner zogen plötzlich vom linken Rand des Feldes rechts herüber, um einem überholenden Auto auszuweichen und einer räumte mich dabei bei voller Fahrt von der Straße ab. Außer mir stürzten mehre andere Rennfahrer, die nicht mehr ausweichen konnten. Sie konnten aber schnell wieder aufs Rad steigen und weiterfahren. Ich musste erst einmal meine Kette entknoten und aufziehen, den völlig verdrehten Lenker ausrichten, den verbogenen STI zurechtbiegen und die Bremskörper nachjustieren. Meine Gruppe mit Yvonne von Velonistas und Ronny von Velox Berlin war längst weg und mit ihr auch die gute Laune und die Kraft, die ich Sekunden davor in den Beinen gespürt hatte. Zurückblieben mehrere Abschürfungen, die Entschlossenheit das Rennen zu Ende zu fahren um gewertet zu werden und ein sehr freundlicher Leidensgenosse, mit dem ich die letzte langsame Runde zu Ende drehte. Die am letztem Anstieg abgesprungene Kette, die zwischen dem Ritzel und den Speichen steckengeblieben war und das Hinterrad blockiert hatten, hat mir meine letzten mentalen Kräfte geraubt. Beim Abmontieren des Hinterrads und dem erneutem Aufziehen der Kette konnte ich mir jetzt Zeit lassen. Das Rennen war für mich mit dem Sturz bereits gelaufen.

(Fotos by. turus.net/frontalvision.com , Velox Berlin e.V.)

Der Rest der letzten Runde glich einem lockeren Ausfahren und bot mir die Möglichkeit zur Reflexion. Auch eine negative Erfahrung hat was Positives. Erkenntnisse des Tages:

  • Tapetenwechsel bei einem Sturz mit 42km/h ist ein kleiner Preis für die harte Rennerfahrung.
  • Kopfsteinpflaster kann man fahren: je schneller desto besser.
  • Anstiege kann man fahren: keep calm and continue pedaling.
  • Die netten Begegnungen und Unterhaltungen vor,im und nach dem Rennen und das Auswerten des Rennverlaufs bei einem Getränk machen das schlechte Rennen wieder wett.

Alle Egbnisse des Rennens hier

8. Rund um Südring Center

Nachdem ich mich lange mit einem Start bei einem Radrennen schwergetan habe, habe ich gestern kurzerhand (aber nicht ohne einen Schubser) alle Bedenken über Bord geworfen und relativ spontan beschlossen mein Radrennen-Debüt beim 8. „Rund um das Südring Center“-Rundstreckenrennen zu feiern. Mein erstes Radrennen überhaupt und mein erstes Rennen als Teil des BRC Endspurt Jedermann-Teams.

Beim Wettbewerb der Frauen mussten 25 ca. 1,2 km lange Runden um das Südring Center und damit 30 km absolviert werden. Um meine Premiere auf einer Rennstrecke etwas spektakulärer und dramatischer zu gestalten hat der Wettergott die Kulisse vom strahlenden Sonnenschein, der meine Teamkollegen und mich bei der Anreise nach Rangsdorf begleitete, zum strömenden Regen verwandelt. Dass Kurven, Geschwindigkeit und eine nasse Fahrbahn sich nicht sonderlich gut vertragen, ist ja bekannt. So kam es im Rennen zu zahlreichen Stürzen, die leider auch zwei BRC Endspurt Fahrern nicht erspart geblieben sind, aber glücklicherweise nur mit üblichen Asphaltknutschflecken bei Mann und Maschine. Aber der Reihe nach!

Das Frauenrennen wurde erwartungsgemäß wegen zu wenig angemeldeten Starterinnen mit dem Rennen der Jedermänner zusammengelegt. So stellte ich mich bei dem Start ganz hinten auf. Nach dem Start verlief alles wie ich es mir schon gedacht habe. Die wenigen Männer, die hinter mir standen, rollten nach dem Startschuss schnell an mir vorbei. Vor mir fielen aus dem Feld die Mädels raus, die beim Start in der vorderen Reihe standen. An einer von ihnen konnte ich bereits in der ersten Runde vorbeifahren. Die zweite habe ich glücklicherweise in der zweiten Runde einholen können. Mit ihr blieb ich dann bis zum Ende des Rennens zusammen. Den Anschluss an das mehrmals an uns vorbeiflitzende Männer-Feld konnten wir leider nicht finden. Ein schnelles Hinterrad eines etwas langsameren Mannes war auch weit und breit nicht in Sicht. So fuhren meine Mitstreiterin und ich mitten im Rennen unser eigenes Frauen-Rennen. Die Absprachen bzgl. der Führungsarbeit haben reibungslos geklappt. Die Beine waren trotz harter Antritte aus den Kurven heraus stark und der Kopf war trotz Nässe und schwierigen Bedingungen willig. Das Material hat nicht gestreikt und die Kurventechnik saß zu meiner Verwunderung auch.

(Fotos by: Jens Ole, Kris,  Tom Sawyer Sportfotografie)

Mir war schon im frühen Rennverlauf klar, dass meine Konkurrentin mich aufgrund des besseren Materials und mehr Erfahrung übersprinten wird, falls es zu einem Zielsprint kommen wird. Das kann man wohl als selbsterfüllende Prophezeiung oder realistische Einschätzung bezeichnen. Ich bin aber zufrieden, dass ich mich zu gleichen Teilen wie sie an der Führungsarbeit beteiligen konnte und nicht nur gekämpft habe um an ihrem Hinterrad dran zu bleiben. Am Ende wurde meine Debüt-Performance sogar mit Platz 3 in der Gesamtwertung der Frauen belohnt. Der wirkliche Gewinn für mich ist aber eine erste kleine Portion Rennerfahrung, die das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärkt und Lust auf mehr macht. Die nächsten Radrennen stehen unmittelbar an.