Gut gelaufen!

Lange habe ich diesem Tag entgegengefiebert. Alle Trainingseinheiten waren auf dieses Ereignis ausgerichtet. Viele Gedanken und Gespräche drehten sich nur um dieses eine Thema: mein erster Marathon und das auch noch in Palma de Mallorca. Lange habe ich darauf gewartet meine Laufform und meine Entschlossenheit einen Marathon zu laufen auf die Probe zu stellen.

Jetzt, an einem grauen und verregneten Morgen, stehe ich im Startbereich des WM 261-Marathons vor der eindrucksvollen Kulisse der Kathedrale von Palma. Die Anspannung des Vortages mit Verspätung des Fliegers und der knappen Zeit für die Abholung der Startunterlagen ist verflogen. Im Kopf schwirren Gedanken, ob ich die Verpflegung gut durchdacht habe, ob mein Training in den letzten Wochen ausreichend war, ob meine Kleiderwahl den Temperaturen angemessen ist. Aufgeregt bin ich aber nicht. Mit vielen anderen Frauen stehe ich ganz vorne im Block A und freue mich sehr in wenigen Minuten die schöne Strecke entlang der Promenade zu laufen. Kathrine Switzer, Laufpionierin und die Seele dieses Marathons, hält eine kurze rührende Ansprache, Startschuss, Konfetti und Geräusch von vielen Schritten: es geht endlich los!

Auf der ersten Runde laufen noch die Frauen mit, die sich für die 10 km Strecke entschieden haben. Sie sind natürlich wesentlich schneller unterwegs und so muss ich mich die ganze Zeit ausbremsen und viele Läuferinnen an mir vorbeiziehen lassen. In der Hand halte ich meine Pace-Tabelle mit ausgerechneten Durchgangszeiten, die mich daran erinnert, dass ich mich an die Vorgaben halten soll. Das Tempo ist für mich entspannt. Das kenne ich vom Wettkampf sonst gar nicht. Bei den kürzeren Rennen wird von Anfang an mit einer Intensität gelaufen, die schmerzt. Die ersten 10 km sind um. Die 10km-Läuferinnen sind jetzt runter von der Strecke. Wer weiter läuft ist Schwester im Geiste. Trotzt des Sprühregens ist die Stimmung gelassen und heiter. Es wird gegenseitig angefeuert und Aufmunterung zugerufen. Auch die wenigen Zuschauer, die sich bei dem miesen Wetter auf die Straße trauen, feuern die Läuferinnen lautstark an. Ich habe ab und zu meinen treuen Begleiter an meiner Seite, der mir auf Teilstrecken Gesellschaft leistet und mich vom Straßenrand mit Gels verpflegt. Läuft alles ganz geschmeidig. Auch die nassen Socken und Schuhe bereiten mir keine Probleme. Ich laufe einfach weiter.

Auch die aus dem Training bekannte magische Grenze von 25 km ist irgendwann erreicht. Der Blick auf die Pace-Tabelle verrät, dass ich doch etwas schneller als geplant unterwegs bin. Ich bin noch fit und munter, fange aber langsam an zu merken, dass die vordere Oberschenkelmuskulatur müde wird. 30 km – jetzt weiß ich, dass ich auf jeden Fall den Marathon finishen werde. Jetzt bleiben „nur“ 12 km. Der tatsächliche Wettkampf fängt an: die Beine schmerzen, die Müdigkeit wächst und ich muss mich mental nach vorne treiben. Trotzdem versuche ich mein Tempo zu halten und schaffe sogar einige Frauen einzusammeln, die ich früher vorbeiziehen lassen habe.

Die letzten zwei Kilometer sind wirklich gemein und ich kann kaum noch erwarten die Zielgerade zu sehen und auf dem ausgerollten rosa Teppich in den Zielbogen zu laufen. Die letzten Meter, noch ein Kurve und da ist schon der Zielbereich. Hinter der Ziellinie steht Kathrine mit breit ausgestreckten Armen und nimmt mich mit einer herzlichen Umarmung in Empfang. In meinem Kopf taucht in diesem Moment ein einziges Wort auf „Laufmutter“. Jetzt bin ich sehr glücklich, dass ich endlich angekommen bin und mich im Zielbereich erholen kann. Ich hatte viel Spaß auf der Strecke. Ich habe die tolle Atmosphäre des Laufs genossen! Auch mit der Zeit bin ich sehr zufrieden: 3:42:01.

Nach dem Umziehen, bleiben Seb und ich noch ein wenig im Zielbereich und freuen uns für Mädels, die nach und nach ins Ziel kommen. Die Emotionen sind groß: Kathrine begrüßt jede Finisherin, die Frauen weinen vor Freude und liegen sich in den Armen.

Zwischendurch höre ich meinen Namen, reagiere aber gar nicht darauf, da ich gedacht habe, dass eine weitere Finisherin angekündigt wird. Auf der Hauptbühne findet aber die Siegerehrung statt. Als wir dazu stoßen werden die Frauen der Altergruppe F40 ausgezeichnet. Da ich keinerlei Orientierung habe wo im Feld ich mit meiner Zeit lag, bleibe ich von dem Geschehen unbeeindruckt und freue mich für die Mitstreiterinnen, die ihre Pokale abholen. Seb wird leicht hektisch und versucht mir klar zu machen, dass ich mit Sicherheit auch ein Auszeichnung bekäme, da er grob abschätzen konnte, als wievielte ich eingelaufen war. Tatsache! Kurzer Blick auf die Liste der Platzierten und ich werde auf die Bühne eingeladen und darf mir nachträglich auch meinen Pokal für den 2. Platz in meiner Altersklasse und eine Umarmung von Kathrine und José, dem Organisator des Laufs, abholen. Na so was! Da hätte ich meine Siegerehrung fast verpasst. Mit der Zeit von 3:42:07 lag ich auf Platz 11 in der Gesamtwertung (von 116 Frauen) und Platz 2 in meiner Altersklasse!

Eine grandiose Erfahrung und eine tolle Veranstaltung mit ausgezeichneter Organisation und herzlicher Atmosphäre! Das ist tatsächlich das Marathon-Debüt was mir lange in Erinnerung bleiben wird!

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8 Kommentare

  1. Running Zuschi

    Liebe Veronica! Beim Lesen deines Berichts lief mir die Gänsehaut über den Rücken!!! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zu deinem großartigen Ergebnis! Und ich freue mich riesig für dich, dass du diese 261 WM Premiere so genießen konntest!
    Bis hoffentlich bald…
    herzlichst
    Running Zuschi

    • cyclonica

      Vielen Dank, liebe Edith! Das ist wirklich eine Erinnerung zum Einrahmen und an die Wand hängen! Die Atmosphäre war wirklich toll! Da möchte ich mich bei Dir noch Mal für die Einladung zu der Pressepräsentation des Events bedanken! Ohne sie wäre ich auch nicht am Start vom WM261!

  2. Din

    Herzlichen Glückwunsch, liebe Veronica. Das ist ja eine großartige Leistung und eine klasse Platzierung. Nach all der Anstrengung sieht du auch so glücklich aus. Ganz wunderbar!

    • cyclonica

      Vielen dank, liebe Din! Ich war nach dem Finish tatsächlich sehr glücklich und erleichtert, da ich aufgrund der fehlenden Marathon-Erfahrung bei der Trainingsplanung in der Vorbereitungsphase ziemlich unsicher war. Mit einer guten Zeit über die Ziellinie zu laufen war die beste Bestätigung dafür, dass ich in den Wochen davor alles richtig gemacht habe. Da vergisst man schon die schmerzenden Beine und grinst von einem Ohr zum anderen:-)

  3. Andreas

    Etwas verspätet, aber dafür umso herzlicher: Glückwunsch zum ersten Marathon! Und das mit einer wunderbaren Zeit! Und beim heutigen Drittelmarathon in Potsdam warst du ja auch recht flott unterwegs 😉 Schön, das wir uns dort – wenn auch nur kurz – getroffen haben.

    • cyclonica

      Hallo Andreas,
      vielen Dank! Es hat mich auch sehr gefreut Dich vom RBB-Lauf zu sehen. Die roten T-Shirts mit dem Namen Deines Blogs waren in der Menschenmenge nicht zu übersehen! Eine super Idee! Ich hoffe, ihr seid alle gut durchgekommen und hattet Spaß dabei!

  4. Manu

    Super, herzlichen Glückwunsch! Irgendwie hatte ich ja völlig verpasst dass Du doch auf Mallorca an den Start gegangen warst 🙂 Tolle Zeit und dann gleich noch aufs Treppchen! Wow!

    • cyclonica

      Liebe Manu,
      vielen Dank! Ich war nach der Presse-Präsentation so begeistert, dass ich ohne groß zu zögern zugesagt habe und das war eine gute intuitive Entscheidung!
      Es hat mich sehr gefreut Dich beim Läuferinnen-Treff in Berlin wieder zu sehen!

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