Schattenspiel

Die Geräusche der Stadt und das milchige Licht, mit dem die Laternen in der späten Abendstunde die Straßen übergießen, bleiben langsam zurück.  Die Schritte führen durch den Bogen des Eingangstors, der Allee entlang zum Schloss in die tiefe Finsternis des Parks. Die Kopfleuchte kann die klebrige Dunkelheit nur auf wenige Schritte verdrängen und so läuft sie stets vor mir: pechschwarz und geheimnisvoll. Den Blick auf den Weg gerichtet, entreißt das Licht der Kopfleuchte der nächtlichen Umgebung des Parks einen schmalen Streifen an Informationen über Äste, Blätter und tintenschwarze Regenpfützen, die so bedrohlich bodenlos erscheinen. Keineswegs rein treten! Sonst wird man von diesen schwarzen Mäulern auf Nimmerwiedersehen verschluckt. Den Blick starr auf den Weg gerichtet, an Bäumen, Teichen und Bänken vorbei. Die Vorstellungskraft verbündet sich mit der Dunkelheit. Jetzt laufen sie Hand in Hand vor mir. Unberechenbar und vernunftwidrig eilt die Vorstellungskraft meinem suchenden Blick und meinen Beinen voraus und mahlt mit Verhöhnung im schmalen Strahl der Kopfleuchte auf jeder leeren Parkbank was sie willkürlich aus Fragmenten des einst Gesehenen oder Erdachten zusammensetzt. Was wird sie mir nach der nächsten Kurve in den Weg stellen? Wer wartet auf mich an der kommenden Weggabelung? Der Puls hat den GA1-Bereich längst verlassen und schnellt nach oben. Die Beine ziehen automatisch das Tempo an. Aus einer lockeren Runde im Park wird ein knackiger Tempolauf im Rausch der Gefühle: Endorphine, Herzrasen, Angst und Freude zugleich. Nachtlauf.

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3 Kommentare

  1. Din

    Das hört sich wirklich klasse an!

    Ich kann mich ja persönlich nicht mit diesen Leuchten auf dem Kopf anfreunden. Selbst ein Probelauf vor einigen Wochen mit Lauffreunden konnte mich nicht überzeugen. Ich weiß einfach nicht, ich weiß einfach nicht… Aber irgendwie auch doof, wenn man versucht nur im Hellen laufen zu wollen. Momentan ja fast aussichtslos.

    • cyclonica

      Hey Din,
      das Laufen im Dunklen mit einer Kopfleuchte mag ich sehr, da man durch die Dunkelheit das Laufen völlig anders erlebt. Das ist für mich Abenteuer pur! Bei der Wahl der Kopfleuchte würde ich eine leistungsstarke Leuchte von 140-160 Lumen empfehlen, die hell genug ist und bei der der Batterie-Block auf dem Hinterkopf ist, so dass er ein Gegengewicht zur Lampe bildet. Dadurch rutscht die Leuchte beim Laufen nicht nach vorne. Ich nutze eine Petzl Myo RXP und bin damit sehr zufrieden…Auf die Leuchte kann ich im Winter beim Lauftraining gar nicht mehr verzichten. Der Handlungsspielraum wird dadurch deutlich erweitert…

      • Din

        Ja, das glaube ich gern. Man hat ja nur ein sehr kurzes Lichtfenster… Ich gehe meist morgens ganz früh Schwimmen und Laufen versuche ich irgendwie in die Mittagspause zu quetschen. Sonst bekomme ich irgendwie gar kein Tageslicht zu sehen…

        Danke für den Tipp mit der Lampe. Wenn ich mich dafür entscheide, schaue ich mir diese mal an.

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