Nur die Harten kommen in den Wechselgarten!

Bei dem 30. Leipziger Triathlon, welcher am 28. Juli 2013 erneut am schönen Kulkwitzer See ausgetragen wurde, habe ich die Jagd nach neuen persönlichen Bestzeiten eröffnet. Die hohen Temperaturen, die mir in Havelberg zum Verhängnis wurden, drohten mir auch dieses Mal einen Strick durch die Rechnung zu machen. Nichtsdestotrotz habe ich mir eine Strategie zu Recht gelegt, die mich sicher durch den Wettkampf bringen sollte. Ich habe meine Fehler in der Vorbereitung vom Havelberg-Triathlon analysiert und hatte mir vorgenommen diese in Leipzig unbedingt zu vermeiden: gut hydriert in den Wettkampf starten, zwei Stunden vor dem Wettkampf eine kohlenhydratreiche Mahlzeit zu mir nehmen und unbedingt regelmäßig auf dem Rad trinken!

Die Anreise zum Wettkampfort war sehr angenehm. Von der üblichen Aufregung war keine Spur. Der Stoffbeutel mit der Verpflegung war voll und die Getränkeflaschen waren aufgefüllt. Der Zeitplan erlaubte ein entspanntes Einchecken und Aufbauen in der Wechselzone. Für das Neoprenverbot, welches häufig bei den Starter/innen für Unmut sorgt, war ich den Organisatoren sogar dankbar, da ich mir bei den 35 Grad beim besten Willen nicht vorstellen konnte, wie man auf die bereits verschwitzte Haut einen Neo aufkriegen soll und was mit einem passieren würde, wenn man danach nicht sofort ins Wasser kommen würde.

Da ich in der zweiten Welle der Sprint-Distanz startete, durfte ich noch dem Start der ersten Welle zusehen, mich ein wenig einschwimmen und dann ging es auch für mich endlich los. Das Schwimmen hat sich sehr gut angefühlt. Endlich konnte man der Hitze für einen Augenblick entfliehen. Nach 550m im kühlen Nass ging es dann auf die flache Radstrecke. Beim Rauslaufen aus der Wechselzone habe ich meinen Sigma Rox Rad-Computer, den ich liebevoll Roxy nenne, leider verloren. Das habe ich aber rechtzeitig gemerkt, musste mein Rad liegen lassen, zurücklaufen und Roxy aufsammeln, um nicht völlig orientierungslos durch die Felder zu radeln. Die Radstrecke lag mir sehr gut: flach und nur stellenweise Gegenwind. Etwas empört war ich über  Teilnehmer/innen, die das Windschattenfahrverbot völlig missachtet haben und in richtigen Pelotons an mir vorbeizogen und die Streckenrichter, die das „übersahen“. Auf den letzten Radkilometern näherte ich mich der Stunde der Wahrheit: wird das Laufen heute klappen, oder werde ich so wie in Havelberg 5 km zusammenstolpern müssen?

Beim zweiten Wechsel hat sich die Geschichte noch mal wiederholt: ich habe mein Rad am Vorbau gegriffen und dadurch mein Rad-Computer aus der Halterung ausgeklickt. Wo genau ich Roxy in der Wechselzone verloren habe, wusste ich nicht. Fieberig habe ich nachgedacht, ob ich nach dem Anziehen der Laufschuhe zurücklaufen und Roxy suchen sollte, was mich eventuell viel Zeit kosten würde oder ob ich sofort auf die Laufpiste gehen und sie nach dem Finish suchen sollte. Ich habe mich für das zweite entschieden und bin losgelaufen mit dem Gedanken, dass ich Roxy zurückgelassen habe, dass der Wiederanschaffungswert groß ist und dass Roxy eine große Unterstützung beim Training war, auf die ich nicht mehr verzichten kann und will. Mit diesen Gedanken beschäftigt, habe ich ganz vergessen darauf zu achten, wie sich mein Laufen gestaltet: die Beine trugen mich sicher nach vorne, noch eine Kurve, eine Teilnehmerin überholen, die zweite Kurve, an den Zuschauern vorbei und da ist schon das Ziel. Ein Blick auf die Zeit, die beim Zieleinlauf angezeigt wurde und eine große Enttäuschung: meine Vorjahreszeit konnte ich nicht knacken und habe für die Strecke sogar fast 2 Minuten länger gebraucht…Die Freude beim Finishen hielt sich daher in Grenzen und Zeit, um ein kühles Getränk zu genießen, hatte ich auch nicht. Ich musste meine Roxy suchen gehen.

So aufregend alles für mich war, so einfach war es in der Realität. Im Wechselgarten haben die Helfer viele verlorene Sachen aufgesammelt: Trinkflaschen, Brillen, Tachos. Schnell habe ich meine Roxy zurückbekommen und konnte dann noch die schöne Atmosphäre nach dem Wettkampf genießen. Aber noch eine Überraschung hatte der Tag für mich auf Lager. Auf den ausgehängten Ergebnislisten habe ich mich nicht sofort gefunden und bemerkte, dass ich in der Platzierung viel weiter vorn bin. Ich hatte in der Hitze des Gefechtes einfach völlig vergessen, dass ich in der zweiten Welle fünf Minuten nach der ersten gestartet bin und von der auf der Tafel angezeigten Zeit noch fünf Minuten abgezogen werden müssen. Im Bruchteil einer Sekunde machte die Enttäuschung Platz für große Freude: meine Vorjahreszeit konnte ich um 02:10 Minuten verbessern. Mit einer Zeit von 01:21:33 bin ich auf Platz 23 von 146 Frauen und Platz 7 in meiner Altersklasse gelandet. Mit einer guten Wettkampf-Vorbereitung konnte ich die Hitze zwar nicht zu meinem Freund machen, aber zumindest zu einem neutralen Zuschauer, der mich nicht daran hinderte mein Wettkampf zu bestreiten.

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2 Kommentare

  1. Din

    Eine sehr schöne Analyse von Havelberg. Da ist ja ein Zufall. Bin ja dort auch gestartet, nur eben allein, nicht in der Liga. Leipzig hatte ich auch anvisiert, aber mit den Mitteldistanzen war im Rücken war das leider nicht zu schaffen.

    Ein verspäteten Glückwunsch zu dieser tollen Zeit!

    PS. toll, dass wir uns gestern kennenlernen konnte. Es hat mich sehr gefreut.

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